Telefonseelsorge

Heute wieder ein Beitrag, den ich mir sprichwörtlich einfach „von der Seele schreiben muss“. Gestern war der erste Tag seit langem, an dem ich mal wieder so etwas wie Freude und Erleichterung spüren konnte. Schließlich habe ich mich mit einer ehemaligen Kommilitonin getroffen, mit der ich in den letzten Monaten vor allem schriftlichen Kontakt hatte. Sie ist genau wie ich eine sehr introvertierte Person. Es klingt vielleicht seltsam, aber genau über diese Gemeinsamkeit haben wir irgendwie den Weg zueinander gefunden. Im Studium haben wir nur alle paar Wochen zaghaft miteinader gesprochen, aber irgendwann tauschten wir dann Mitteilungen aus und von da an war „das Eis gebrochen“.

Das Schöne an dem Treffen war, dass ich einfach „Ich“ sein durfte. Wir hatten beide keine Erwartungen aneinander, keinen Druck. Wir haben uns zunächst in einem Café verabredet, aber es war gestern sehr voll bei uns im Städtchen. Das Café war überfüllt, laut und voll von Reizen. Wir waren beide froh, als wir wieder an der frischen Luft waren und machten kein Geheimnis darum. Es war herrlich ‚leicht‘ sagen zu dürfen, dass die Lautstärke und die Menschen anstrengend waren. Wir gingen danach eine Weile spazieren und unterhielten uns viel über die Introversion. Über Erlebnisse in der Vergangenheit, über Sprüche von Menschen, über Ungerechtigkeiten. Es war angenehm, dass ich mich und meine Persönlichkeit nicht verleugnen musste. Nach dem Spaziergang tranken wir noch einen Tee bei mir, genossen einfach die Ruhe.

Dennoch hat mich das Treffen viel Energie gekostet, so dass ich mich am Abend nur noch ausgeruht und zwei Menschen via Threema geschrieben habe. Ich wollte den Abend  redensartlich „gemütlich ausklingen lassen“, aber dann bekam ich eine Nachricht via Whatsapp von meiner ‚besten Freundin‘. Die erste Nachricht war irgendwie lieb, denn sie beinhaltete ein Bild mit einem Text: „Die besten Menschen wohnen einfach viel zu weit weg“. Dann kippte die Stimmung ziemlich schnell, als sie erfuhr, dass aus meinen Italienplänen für Weihnachten inzwischen eine Buchung geworden ist. Auf einmal schickte sie nur noch Sprachnachrichten, in denen sie mir Schuldzuweisungen und Vorwürfe machte. Innerhalb von fünf Minuten wurde aus meinem schönen Tag ein grausamer Abend.

Ich antwortete gleichfalls mit einer Sprachnachricht, konnte meine Verzweiflung und meine Ängste jedoch nicht mehr unterdrücken. Als die Nachricht abgeschickt war, zitterte ich am ganzen Körper. Es war ein anderes Zittern als das, welches der Körper bei Kälte zeigt. Mein Körper bebte, eventuell vergleichbar mit einem Schüttelfrost. Vielleicht auch ein Nervenzusammenbruch. Es überkam mich der starke Drang, endlich mit einem anderen Menschen reden zu dürfen. Seltsamerweise war es ausgerechnet meine ‚beste Freundin‘, die mir vor einigen Wochen noch schrieb, dass ich im Notfall die Telefonseelsorge anrufen soll.

Es fühlte sich schrecklich an die Nummer zu wählen, denn das Telefonieren gehört nicht zu meinen Stärken und Worte wiegen ’schwer‘. Als am anderen Ende der Leitung die Stimme ertönte, bemerkte ich, dass ich für das Gespräch ja gar keine Vorbereitungszeit gehabt hatte. Ich hatte mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich das Gespräch beginnen und was ich der Person erzählen könnte. Alles was aus meinem Mund kam war ein verstörtes und fragendes: „Hallo?!“ Zeitgleich fühlte ich mich überfordert von der Situation. Es vergingen bestimmt ein bis zwei Minuten des Schweigens. Ich lauschte in den Hörer und erwartete, dass entweder ich oder die Frau auflegen würden. Ich hatte Angst vor dem Signalton.

„Wollen Sie nicht mit mir reden?“, fragte die Frau irgendwann. Da war sie, die Frage. Seltsamerweise war es damals in meiner ambulanten Gesprächstherapie schon immer so, dass ich ohne die Fragen meiner Therapeutin nicht funktionierte. Natürlich wollte ich reden, aber Wollen und Können befinden sich nicht immer in der selben Sphäre. Ich fand jedoch endlich einen Anfang, auch wenn dieser vor allem aus zahlreichen Tränen bestand. Ich hatte nicht erwartet, dass da am Telefon tatsächlich jemand sein würde, der meine Situation verstand und sogar die richtigen Worte fand.

Stockend und mit vielen Fragen ihrerseits erzählte ich von meinen letzten Wochen. Vom Autismus, der fehlenden Energie, den Masken und Kostümen, von der sozialen Situation in der Uni und dem fehlenden Verständnis meiner ‚besten Freundin‘.

Ich habe im Moment immer das Gefühl, dass ich bei meiner besten Freundin zwischen den Zeilen lesen muss. Leider befindet sich genau das nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten. Bei mir kommen oft nur die Informationen an, die ein Mensch mir klipp und klar mitteilt. Alles andere ist für mich wie eine verschlossene Tür.

Ich werde ehrlich sein, denn schließlich versuche ich hier gerade meine Gedanken zu sortieren. In den letzten Wochen verwirren mich die Handlungen und Aussagen meiner besten Freundin. Es begann alles damit, dass ich in den Semesterferien im Sommer nicht in meiner Heimat war. Ich wusste es nicht genau, aber im Nachhinein glaube ich, dass meine beste Freundin darüber böse war. Sie wollte Zeit mit mir verbringen, stattdessen war ich an drei verschiedenen Standorten unterwegs. Ich verbrauchte viel Zeit mit meiner Oma. Obwohl ich meine beste Freundin darauf ansprach, beteuerte sie, dass sie mir den Urlaub gönnte.

„Sie können es nicht allen Menschen recht machen“, erklärte mir die Frau von der Telefonseelsorge und brachte es damit genau auf den Punkt. Ich war im Sommer ZERRISSEN. Natürlich vermisste ich die Unternehmungen mit meiner besten Freundin, aber ich war auch in Sorge um meine Großmutter und wollte so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Ich sehe sie nur selten, da meine Oma in einem anderen Land lebt. Zudem ist sie sehr krank. Als ich dann unerwartet noch länger bei meiner Oma blieb und den Flug umbuchte, wurde es um meine beste Freundin noch stiller. Ich versuchte ihr viel zu schreiben, mit ihr über Skype zu telefonieren, aber vermutlich verspürte sie da längst Wut auf mich, die sie nicht zum Ausdruck brachte.

Ich versuche Verständnis zu haben, aber gleichzeitig fühle ich mich mehr und mehr wie in einem Gefängnis. Das besondere an unserer Freundschaft war immer, dass die Freundschaft unkompliziert war. Wir machten uns keinen Druck. Manchmal hatten wir wochenlang kaum Kontakt, konnten aber immer wieder an unsere Freundschaft anknüpfen. Ich vermute, dass sich in den letzten Monaten etwas verändert haben muss. Und ich vermute auch, dass meine beste Freundin plötzlich Erwartungen an mich stellte. Sie erwartete, dass ich den Sommer über in meiner Heimat blieb, aber ich konnte diese Erwartungen nicht erfüllen. Egal was ich im Sommer getan hätte, ich konnte es nicht allen Menschen recht machen.

Anfang Oktober haben meine beste Freundin und ich uns noch getroffen, aber zu diesem Zeitpunkt spürte ich bereits, dass sich etwas IN MIR veränderte. Ich sprach nicht mit ihr darüber, weil zu diesem Zeitpunkt ihre Oma verstorben war. Wir gingen gemeinsam etwas essen, fuhren mit dem Rad in den Stadtwald und setzten uns im Dunkeln auf eine Parkbank. Sie weinte und ich legte meinen Arm um ihre Schultern, versuchte sie in ihrer Trauer zu trösten und für sie da zu sein. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass sie einen Groll gegen mich hegte. Ich sagte ihr noch, dass ich Weihnachten und Silvester wohl bei meiner Oma verbringen würde und sie antwortete, dass sie an Silvester vielleicht auch dabei sei.

Das war das letzte Treffen. Danach musste ich zurück an meinen Studienort, an dem die Veränderung in mir ausbrach und ich in eine Identitätskrise verfiel. Als ich nicht mehr allein sein konnte und in meine Heimat flüchtete, fragte meine beste Freundin nach einem Treffen. Und hier habe ich scheinbar einen erneuten Fehler gemacht. Ich schrieb ihr, dass ich mich dazu nicht in der Lage fühlte und entschuldigte mich, weil ich in einer schlechten Stimmung war. Daraufhin schrieb sie mir schlicht: „Aha“. Das war der erste Moment, der mir einen Stich versetzte.

Ich mein, bei unserem letzten Treffen hatten wir uns quasi noch weinend in den Armen gelegen und auf einmal kam dieses für mich gefühllose „Aha“ von ihr. Ich wusste und weiß ehrlich nicht, was ich in dem Moment falsch gemacht habe. Vielleicht hat es sie verletzt, dass ich mich nicht mir ihr treffen wollte, aber es hat auch mich verletzt, dass sie nur „Aha“ schrieb.

Am nächsten Tag rief sie mich an, aber auch dazu fühlte ich mich nicht mehr in der Lage. Ich machte kein Geheimnis darum, sondern schrieb ihr, dass ich im Moment nicht telefonieren kann, das ich keine Energie mehr habe und am Ende meiner Kräfte bin. Ich versicherte ihr, dass sie mir als Mensch immer noch sehr wichtig ist, aber ich viel Ruhe brauchte. Von ihr kamen daraufhin zwei kurze Fragen und der Hinweis, dass ich die Telefonseelsorge anrufen soll. Einige Tage später schrieb sie mir noch, dass ich damit aufhören soll ‚depri zu sein‘ und ich antwortete, dass ich keine Energie habe und nicht einfach damit aufhören kann. Wieder einige Tage später schickte sie mir ein Bild mit einem Spruch: „Das was uns verbindet, ist stärker als die Entfernung, die uns trennt“. Immer wieder versuchte sie mich anzurufen, aber ich hatte nach wie vor keine Energie.

Ich kehrte zurück an meinen Studienort, musste nach zehn Tagen aber wieder in meine Heimat. Noch immer hatte ich keine Energie, aber ich wollte auch meine beste Freundin nicht wieder enttäuschen. Ich schlug ihr daher ein Treffen vor und wir einigten uns sogar endlich auf einen Tag, eine Uhrzeit und einen Ort.

Zwischendurch kam es dann aber zum Chaos. Sie schrieb mir, dass sie wieder in einer Beziehung sei, die am nächsten Tag aber schon wieder für beendet erklärt wurde. Sie bat mich um ein Telefonat. Hier machte ich einen erneuten Fehler. Ich erklärte ihr, dass ich nicht telefonieren könnte und bat darum, dass wir bei unserem Treffen über alles sprechen. Vermutlich hat sie das wieder verletzt und enttäuscht, aber ich hoffte auf unser Treffen und eine persönliche Aussprache. Doch am Tag unserer Verabredung meldete sie sich krank; danach war unser Kontakt wieder abgebrochen.

Als sie sich das nächste Mal meldete, schickte sie wieder nur ein Bild mit einem Spruch: „Markiere die Person, mit der du dich im Jahr 2065 siehst“. Darauf abgebildet zwei ältere Damen. Es verwirrte mich zutiefst und es kam mir vor, als würde ich mir die Spannungen zwischen uns nur einbilden. Auch ich schickte ihr ein freundschaftliches Bild. Einige Tage war daraufhin wieder Funkstille. In ihrer nächsten Nachricht tauchte der Name ihrer kurzfristigen Beziehung wieder auf und ich erfuhr, dass sie mit Leuten unterwegs war und auch Alkohol floss. Ich war inzwischen wieder an meinem Studienort und versuchte ihr mit meiner Restenergie noch Verständnis entgegen zu bringen, woraufhin sie mir den Songtext namens „Lieblingsmensch“ zuschickte.

Das waren unsere letzten Wochen. Und ich habe in der Tat kein Detail ausgelassen. Gestern Abend dann das Bild von ihr mit dem Spruch: „Die besten Menschen wohnen einfach viel zu weit weg“. Ich bestätigte diese Aussage und schrieb darüber, dass ich inzwischen den Flug nach Italien gebucht hatte, woraufhin ein erneutes „Aha“ folgte. Als ich sie daran erinnerte, dass sie an Silvester folgen wollte, kippte die Stimmung. Sie fragte mich, ob sie ihre Katze an einen Baum binden soll. Ich verneinte das verwirrt. Dann kam die erste Sprachnachricht: Sie könne ihren Kater nirgendwo unterbringen, hätte nichts von meinen Plänen gewusst und ich sei nicht die Erste, die ihr vor den Kopf stoßen würde.

„Vermutlich hat ihr beste Freundin selber viele Probleme im Moment. Sie hatte vielleicht einen schlechten Arbeitstag und hat ihre Wut dann bei Ihnen ausgelassen. Die Arbeit, die fehlgeschlagene Beziehung; da hat sich einiges bei ihrer besten Freundin aufgebaut und sie brauchte einen Puffer“, erklärte die Frau von der Telefonseelsorge. Ich kehrte in mich ein und suchte die Schuld bei mir, versuchte meinen Fehler zu finden und überlegte, wie ich diesen Fehler wieder ‚ausbügeln‘ könnte. Das alles waren bloß Gedanken von mir, aber als könnte die Frau von der Telefonseelsorge hellsehen sprach sie: „Aber suchen Sie die Schuld nicht bei sich selbst! Ihre beste Freundin weiß vom Autismus, sie weiß von der fehlenden Energie. Lassen Sie ihr Zeit. Und geben Sie vor allem sich selbst auch Zeit. Versuchen Sie die restliche Energie jetzt erstmal für sich selbst zu nutzen, vor allem um Ihr Studium zu beenden. Glauben Sie mir, so eine lange Freundschaft wird nicht einfach enden. Es ist jetzt dennoch wichtig, dass Sie Ihre letzten Kräfte für sich selbst nutzen.“ Mir flossen inzwischen ohne Pause die Tränen.

Nach der ersten Sprachnachricht meiner besten Freundin antwortete ich ihr ebenfalls in einer Sprachnachricht, dass sie von meinen weihnachtlichen Plänen gewusst hatte. Daraufhin sagte sie mir vorwörtlich: „Es war die Rede davon, dass du guckst. Es stand in Aussicht, dass du dahin fliegst. Aber weißt du was?  Ist mir egal! Mach was du willst, denn ich hab die Schnauze voll“. Das war wie ein Schlag in Gesicht. Und noch ein Schlag, und noch ein Schlag. Ich schrieb ihr, dass sie mir jetzt wenigstens allmählich die Wahrheit sagt und es folgte eine weitere Sprachnachricht.

Es hagelte noch mehr Vorwürfe. Vor allem, weil ich nicht auf ihre Anrufe reagierte. Sie beschwerte sich darüber, dass sie von mir nur zu hören bekäme, dass es mir nicht gut geht. Das ich dies und jenes habe und sie nur versucht, die Freundschaft zu retten. Sie würde von mir nur vor den Kopf gestoßen werden und hätte das Gefühl, dass die Freundschaft nur noch einseitig sei. Daraufhin schickte ihr eine letzte Sprachnachricht, in der ich mittlerweile nur noch Verzweiflung und Ängste spürte. Versuchte noch einmal mitzuteilen, dass es mir tatsächlich nicht gut ginge, ich keine Energie habe. Das ich so gerne auf ihre Anrufe reagieren würde, aber nicht mehr die Person sei die ich in den letzten vier Jahren war. Es nicht an ihr läge, sie mir wichtig sei, aber ich auch nicht so tun könnte, als wäre ich ein glücklicher Mensch ohne Probleme und Sorgen. Das ich Angst um mein Studium hätte und den Aufenthalt in Italien bräuchte, um Distanz zu haben und mir über viele Dinge klar zu werden.

Darauf folgte das Zittern. Aber keine Antwort meiner besten Freundin.

„Genau das ist jetzt auch wichtig. Konzentrieren Sie sich auf ihr Studium, fliegen Sie nach Italien und versuchen Sie sich dort etwas auszuruhen, neue Energie zu laden. Ich verstehe das es enttäuschend ist, wenn Ihre langjährige Freundin kein Verständnis für Ihre Situation zeigt, aber lassen Sie sich beide Zeit. Sie hat vermutlich ihre ganz eigenen Probleme. Sie können nicht mehr Energie aufwenden, als Sie bisher getan haben. Wie ich das sehe müssen Sie die restliche Energie aufbewahren, um jetzt erstmal etwas für die Uni zu erledigen.“ Die Worte von der Frau der Telefonseelsorge legten sich wie Honig um meine Seele.

Trotzdem ist alles was bleibt die Verwirrung. Immer wieder suche nach meinen Fehlern, denke darüber nach, ob ich die Situation mit meiner besten Freundin irgendwie hätte verhindern können. Immer wieder komme ich zu dem Punkt, dass sie derzeit kein Verständnis für mich aufbringen kann. Meine Depression scheint sie zu nerven, ihr lästig zu sein, aber gleichzeitig kann ich die Depression nicht wie Schnee auf einem Anorak abschütteln. Ich kann auch nach wie vor nicht mehr in das Chamäleonköstum steigen, kann nicht mehr die glücklichen Masken aufsetzen. Ich kann nur „Ich“ sein und hoffen, dass meine ‚beste Freundin‘ mich irgendwann auch auf diese Weise akzeptiert.

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7 Kommentare zu „Telefonseelsorge

  1. Whow. EInfach nur Whow. Da anzurufen ist sooo heftig schwer, ich habe mich das nie nie nie getraut (ich hatte Mailkontakt mit denen, aber egal),

    Und ich finde die Reaktion der Frau wunderbar. Gebt Euch Zeit. Gib Dir Zeit. Und keine Suche nach der Schuld.

    Ich glaube es hat keiner schuld.
    Manchmal. Ganz manchmal gehen Freundschaften zuende. Weil beide Seiten aneinander zu unterschiedliche, nicht erfüllbare Ansprüche haben. Das tut weh. Das ist auch oft unfair. Oder ungerecht, weil der letzte Auslöser vielleicht „nur“ ein Missverständnis war.
    Aber: echte, gute Freundschaften überstehen auch Krisenzeiten. Tun sie dies nicht ist es keine Freundschaft.
    Wenn eine Freundschaft anfängt zu belasten – dann ist sie es nicht wert Freundschaft genannt zu werden.

    Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Italien.
    Geniesse sie, komm zur Ruhe. Alles weitere wirst Du sehen.

    Alles Liebe!

    K.

    Gefällt 3 Personen

  2. Es war eine gute Entscheidung, die Seelsorge anzurufen, und ebenso eine gute, darüber hier zu schreiben. Manchmal muss man einfach an sich denken (in deiner Situation sogar oft), daran, was einem hilft, was man selbst braucht. Die Enttäuschung über deine Freundin ist groß (ich kenne das, hatte auch einmal eine ‚beste Freundin‘), aber wenn sie sich zu deinen Freunden zählt, dann sollte sie dich verstehen … Vielleicht tut sie das auch später … Ich wünsche es dir.
    Liebe Grüße
    Rosa

    Gefällt 3 Personen

  3. Ja, „Whow!“, wirklich „Whow!“. Das ist echt stark, was Du machst und wie Du das dann so detailiert aufschreibst.

    Ich habe auch schon erlebt, wie schwierig es sein kann, Freundschaften mit Menschen zu pflegen, die nicht logisch denken. Menschen, bei denen man tatsächlich immer wieder zwischen den Zeilen lesen muss, und letztlich doch nicht sicher ist, was sie wirklich denken und fühlen. Solche Menschen, die mit Logik und klarer Kommunikation nichts zu tun haben, strahlen häufig eine große Emotionalität aus, in der man sich erst mal warm und geborgen fühlt. Aber das geht nur so lange gut, wie es keine Konflikte gibt. Wenn die Kommunikation nicht funktioniert, kann man auch keine Konflikte lösen.

    Die Situation, daß mir vorgeworfen wird, daß ich weggefahren bin, habe ich auch vor ein paar Jahren erlebt. Es ging in dem Fall um etwas organisatorisches, ein Schlüssel, den ich habe, und der eventuell an einem bestimmten Wochenende gebraucht würde. „Daniel, Du bist doch da an dem Wochenende, dann können wir eventuell bei Dir klingeln?“. „Bisher habe ich mir da noch nichts vorgenommen. Aber meldet Euch doch ein paar Tage vorher, dann können wir das organisieren“. „Also klingeln wir dann eventuell bei Dir.“ „Ich weiß noch nicht, ob ich da sein werde. Sag mir rechtzeitig vorher Bescheid“. Es hat sich dann in der Woche niemand bei mir gemeldet, an dem Wochenende war ich dann in einer anderen Stadt verabredet, und bei meiner Rückkehr war auch nichts besonderes (kein Anruf, kein Zettel im Briefkasten). Ich nahme also an, daß der Schlüssel nicht gebraucht worden sei. Erst Wochen später wurde mir dann über andere Personen zugetragen, daß ich ja so unzuverlässig sei. Als ich dann versuchte, das zu klären, wurde mir vorgeworfen, daß ich anderen das Wort im Munde herumdrehen würde, daß ich endlich lernen müsste, Verantwortung zu übernehmen, daß ich mich immer herausreden würde, etc.

    Es gibt Menschen, die interpretieren in das, was Du sagst, irgendetwas hinein. Und nachher sind sie der Meinung, genau das sei gesagt worden. Was wirklich wortwörtlich gesagt wurde, zählt dann nicht. Solche Menschen wollen dann auch nur mündlich kommunizieren, nicht schriftlich per E-Mail. Die Begründung ist, daß ich die E-Mail ja nur gegen sie verwenden würde.

    Wenn ich über Meinungsverschiedenheiten diskutiere mit Menschen, die nicht logisch sondern eher emotional denken, dann ist das immer sehr schwierig, und meistens führt es zu keinem Ergebnis. Es ist so ein Gefühl, als hätte ich eine glitschige Masse in der Hand, die mir immer wieder durch die Finger rinnt. Jedesmal, wenn ich glaube, jetzt habe ich sie mal zu packen bekommen (jetzt haben wir in der Diskussion wenigstens die übereinstimmende Definition eines Begriffs), flutscht sie mir doch wieder aus der Hand. Am Ende bin ich wütend und frustriert, und mein Gegenüber ebenfalls wütend und frustriert.

    In Deinem Fall sehe ich aber noch etwas anderes: Eifersucht. Deine „beste Freundin“ will Dich für sich alleine haben. Sie ist eifersüchtig auf die Zeit, die Du mit Deiner Oma verbringst. Sie ist eifersüchtig darauf, daß Du auch Zeit alleine verbringst und daß Du Dinge auch alleine schaffst. Und vielleicht ist sie auch eifersüchtig auf das Treffen mit Deiner Kommilitonin. Sie klammert sich an Dich, sie will, daß Du immer für sie da bist, für niemanden sonst (auch nicht für Dich selbst).

    Ich habe mich früher gefragt, wieso Frauen viele Jahre bei Ehemännern bleiben, die ihnen nicht gut tun. Ehemänner, die ihrer Frau mit Eifersucht nachspionieren, die ihr Vorschriften machen, die sie vor anderen bloßstellen, die vielleicht sogar zuschlagen. Mittlerweile erkenne ich die Machanismen, wie man einem Menschen hinterherlaufen kann, der einem gar nicht gut tut.

    Wenn man sich alleine gefühlt hat und von allen unverstanden, wenn man schon in einer Schule eher ein Einzelgänger war, wenn man bei anderen Menschen allgemein nicht so gut ankommt, dann ist das sehr verführerisch, sich an den ersten Menschen zu halten, bei dem man sich wenigstens halbwegs verstanden fühlt. Plötzlich ist da jemand, der Herzenswärme ausstrahlt, mit dem man harmonisch etwas unternehmen kann, mit dem man nicht mehr so alleine aussieht (ja, „alleine aussieht“. Es geht auch darum, wie man von anderen gesehen zu werden glaubt). Und diesen einen Menschen möchte man dann unbedingt behalten. Es hat doch mal so schön angefangen, man hat sich mit diesem Menschen doch mal so wohl gefühlt, das möchte man doch nicht aufgeben.

    Du wirst beschimpft und mit Vorwürden überhäuft, und Du suchst den Fehler bei Dir selbst. Du hast Verständnis, nimmst Rücksicht, Du hoffst auf eine gemeinschaftliche Aussprache. Du möchtest verstanden und akzeptiert werden, vor allem willst Du die Freundschaft retten.

    Du sprichst jetzt davon, daß Du die Zeit bei Deiner Oma „verbraucht“ hast. Als nächstes wirst Du überlegen, ob Du kürzer zu Deiner Oma fahren sollst. Vielleicht nur einen Tag früher zurückfahren, wirst Du Dir denken, das ist doch nicht schlimm. Oder vielleicht eine Woche? Du wirst Dir sagen, daß das doch ein „guter Kompromiss“ ist. Ein „Kompromiss“, um die Freundschaft mit Deiner „besten Freundin“ zu retten. So wird es weitergehen. Du wirst bei jedem Fehlerverhalten Deiner Freundin den Fehler bei Dir suchen und versuchen, es Deiner Freundin recht zu machen. Du wirst Deine Oma immer mehr im Stich lassen, dabei tut die Zeit bei Deiner Oma Dir doch gut. Du wirst Deine eigenen Bedürfnisse immer weiter verleugnen, Du wirst Dich verbiegen und überkompensieren, um die Freundschaft auf jeden Fall zu erhalten. Und am Ende liegt da ein riesiger Scherbenhaufen. (Ich muß gerade weinen. Mich berührt das sehr.)

    … ich kann nicht. ich heule. ich schreibe später weiter.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich denke gerade daran: Du weisst doch gar nicht, wie lange Deine Oma noch lebt.

      Wenn der Kontakt zu Deiner Oma Dir gut tut, dann lass Dir bloß nichts nehmen von der Zeit, die Du mir ihr verbringen willst. Und hab bloß kein schlechtes Gewissen dafür! Denk an Dich!

      Kennst Du diesen Blogpost von „Autzeit“?
      https://autzeit.wordpress.com/2014/03/09/funf-minuten-bis-zur-ewigkeit/

      Oh Mann, ich habe echt zu nah am Wasser gebaut.

      Gefällt 1 Person

    2. Also… was ich noch schreiben wollte 😉

      Deine „beste Freundin“ umschmeichelt Dich mit kitschigen Sprüchebildchen, so daß in Dir immer wieder die Hoffnung keimt, Du würdest ihr doch etwas bedeuten (Ja, „kitschige Sprüchebildchen“. Denn ist sind allgemeine Sprüche, Kalendersprüche. Es ist nichts, was auf die konkrete Person eingeht. Es ist keine individuelle Wertschätzung). Und dann kommen doch wieder Vorwürfe. Ja, das ist echt hart, wenn man merkt, daß man von dem Menschen, bei dem man sich gut aufgehoben gefühlt hat, doch nicht verstanden wird. Wenn man merkt, daß man diesem Menschen nur dann etwas bedeutet, wenn man genau das tut, was er erwartet. Wenn man sich selbst dafür aufgeben müsste.

      Du schreibst in Deinem letzten Absatz von Deiner Verwirrung, und davon, daß Du überlegst, wie Du den Ärger Deiner Freundin hättest verhindern können. Wenn es wirklich eine „beste Freundin“ wäre, dann würde sie Dich verstehen, dann müsstest nicht Du etwas verhindern, sondern sie müsste Verständnis haben. Suche nicht immer die Fehler bei Dir. Du bist in Ordnung, so wie Du bist.

      Ich kenne den Wunsch, daß der Mensch, mit dem die Freundschaft kaputtgegangen ist, mich doch irgendwann verstehen und akzeptieren möge. Es ist echt hart, sich damit abfinden zu müssen, daß das nicht so sein wird. Daß jede Bemühung, die Situation zu klären, nur zu neuen Vorwürfen führt. Daß der Graben nur immer noch tiefer wird und das schlechte Gefühl immer noch schlimmer. Ich möchte doch auch einfach nur von allen Menschen verstanden werden. Aber es funktioniert nicht.

      Es ist traurig. Es tut weh. Es tut richtig weh. Aber es bringt nichts, einem Menschen hinterherzulaufen, um um Verständnis und Akzeptanz zu betteln. Denn dann tut es immer noch mehr weh. Es ist besser, alleine zu sein, anstatt Menschen hinterherzulaufen, die einen verbiegen wollen. Es ist nicht leicht. Es erfordert, diese Sehnsucht nach diesem speziellen Menschen, der einen doch zunächst scheinbar verstanden hat, irgendwie zu überwinden. Man hat Alpträume und denkt „Es hätte doch so schön sein können“. Man wälzt sich in den Schlaf, die Gedanken geben keine Ruhe. Aber diese dunkle Zeit geht auch wieder vorbei. Dein zukünftiges Ich wird wieder positive Erlebnisse haben. Erfolgserlebnisse, Verständnis und Akzeptanz, Fröhlichkeit, Zeiten zum Ausruhen, Natur und Sonnenschein.

      Gefällt 1 Person

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