Erfassen von Zusammenhängen

Ein Thema, welches mir sehr viele Gedanken und Sorgen bereitet, ist das Erfassen von Zusammenhängen. Das ist ein Bereich, der mir sehr starke Probleme bereitet.

Am Ende meiner Berufsschulzeit sah meine Klassenlehrerin mich an und sagte: „Ich habe gemerkt, dass du schnell Texte auswendig lernen und dich in Details verlieren kannst, aber sobald es um Zusammenhänge geht sind deine Grenzen erreicht.“ Mich verwirrte und beleidigte diese Aussage. Es fühlte sich an, als wären die Grenzen meiner Intelligenz erreicht und als hätte ich mich aus ihrer Sicht durch die Ausbildung ‚geschummelt‘.

Heute denke ich, dass meine Klassenlehrerin die Wahrheit sprach. Es liegt jedoch nicht an meiner Intelligenz, zumindest hoffe ich das, sondern an einem Mangel beim Erfassen von Zusammenhängen. Ich sehe die Details, aber ‚das große Ganze‘ bleibt mir oft verwehrt.

Ich getraue mich erst jetzt darüber zu schreiben, weil ich gerade „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing“ von Nicole Schuster lese. Sie schreibt in einem Kapitel über die Mangelnde zentrale Kohärenz. Bei der zentralen Kohärenz werden Informationen und Reize in einen Zusammenhang gebracht, so dass am Ende ein Gesamtbild entsteht. Oder eben nicht entsteht, wie das bei mir oft der Fall ist.

Zuletzt bemerkt habe ich das bei meiner ersten mündlichen Prüfung an der Uni. Am Schluss sagte der Tutor: „Die Fragen rund ums Wissen hast du wirklich gut beantwortet, aber bei den Transferaufgaben wurde es schwierig.“ Es ging um eine Statistikaufgabe. Ich sollte das Erlernte in einen anderen Zusammenhang bringen, also die Aufgabe an sich wurde einfach nur umgewandelt. Die medizinische Aussage wurde auf mein Studiengebiet umgeändert, wurde also zu einer agrarwirtschaftlichen Aussage. Diese leichte Abänderung sorgte bei mir für totale Verwirrung.

Ich merke das vor allem in der Uni immer wieder: Einzelne Details interessieren mich ohne Maß, aber wenn es um die Verknüpfung der Details geht, bekomme ich arge Schwierigkeiten. Allerdings muss ich gestehen, dass einige Themengebiete in der Uni auch nicht wirklich mein Interesse wecken.

Es ist schwer für mich, weil ich merke, dass ich immer wieder an meine Grenzen gerate. Ich möchte die Zusammenhänge so gerne begreifen, aber es ist, als würde mein Gehirn eine unüberwindbare Mauer ziehen. Manchmal ist das so unendlich frustrierend.

Meist kann ich mich in der Uni auch nur auf eine einzige Sache konzentrieren. Schreibe ich beispielsweise das mit, was der Dozent vorne erzählt, kann ich nicht gleichzeitig auch noch verstehen worum es bei dem Thema geht. Zuhause arbeite ich den Stoff dann nach; oft noch zusätzlich mit Hilfe von Büchern und Internetquellen. Nicole Schuster beschreibt das als Intermodale Verarbeitung. Auch hier werden verschiedene Informationen zusammengeführt; beispielsweise die Stimme eines Menschen mit der Gestik und Mimik. Oder diese Informationen werden eben nicht zusammengeführt, wie es wieder bei mir der Fall ist.

Erst jetzt traue ich mich darüber zu schreiben und nachzudenken, weil ich die Beschreibungen zum ersten Mal bewusst in einem Buch lese. Bisher habe ich mich tatsächlich dafür geschämt, dass ich solche starken Probleme mit dem Zusammenfügen von Details habe.

Ich denke, dass es bei für mich interessanten Themen anders ist. Zumindest in der Marktforschung habe ich diese Probleme deutlich weniger, aber bei diesem Thema zeige ich auch große Begeisterung. Wenn ich allerdings sehe, wie Kommilitonen immer wieder sofort die Zusammenhänge begreifen und die Details wie Bälle jonglieren, wird es mir manchmal schwer ums Herz.

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