Sonne als Reizüberflutung

Sonne, warme Temperaturen und unzählige Menschen, die das Wetter nach draußen zieht. Nur mich nicht, denn ich sitze in meinem abgedunkelten Zimmer und erledige liegengebliebene Aufgaben. Zumindest versuche ich es, denn noch immer fühle ich mich erschöpft und müde von den ereignisreichen Tagen mit der Uni. Der Spaziergang mit meinem Hund am Mittag hat auch nicht dazu beigetragen, dass ich neue Energie schöpfen konnte. Ganz im Gegenteil.

Doch wieso bereitet mir das Wetter eigentlich solche Probleme?

Ich genieße die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr, denn sie geben mir Wärme und Geborgenheit nach dem Winter. Sobald es jedoch immer mehr in Richtung Sommer geht, werden die Sonnenstrahlen für mich zur Reizüberflutung.

Heute beispielsweise strahlt die Sonne hell und warm auf meinen Körper. Es fühlt sich an wie tausend feine Nadelstiche. An meinem Studienort gibt es keine Gassirunde mit Schatten, so dass ich der Sonne ausgeliefert bin. Nach zehn Minuten kommt ein einziger großer Baum, der Schatten wirft, und den ich heute als sicheren Unterschlupf nutzte. Denn nach diesen zehn Minuten, die ich der Sonne ausgeliefert war, hatte ich bereits einen Overload.

Die Sonne war einfach nur grell, so dass das Licht in meinen Augen schmerzte. Sie strahlte wie abgefeuerte Nadeln auf meine Haut, die nach kürzester Zeit gereizt war. Mein ganzer Körper war voller Hitze, die sich immer mehr staute und keinen Ausweg fand.

Beim großen Baum angekommen, setzte ich mich auf einen kühlen Stein im Schatten und versuchte mich mit dem Blick in die Ferne zu beruhigen. Ich verspürte Verzweiflung und Wut in meinem Inneren, verfluchte das viel zu heiße Wetter und sehnte mich nach einem bewölkten Himmel. Mein Hund legte sich gleichfalls hechelnd ins Gras, denn in dieser Beziehung sind wir uns sehr ähnlich.

Ich musste unwillkürlich an die vielen Leute unten am Fluss denken; die sich in die Sonne legen und den Tag genießen.

„Es ist so schön, dass endlich wieder die Sonne scheint.“
„Bei dem Wetter habe ich endlich wieder Energie.“
„Perfektes Wetter, um den ganzen Tag draußen zu sein.“
Das sind Aussagen von meinen Mitmenschen, die für Sonne und Wärme eine für mich eigenartige Vorliebe verspüren.

Erst vor zwei Wochen habe ich es endlich geschafft meiner Kommilitonin zu beichten, dass ich bei unseren Ausflügen lieber im Schatten sitze. Jetzt nimmt sie zum Glück immer Rücksicht. Wir suchen dann eine Stelle, wo sie in der Sonne und ich im Schatten sitzen kann.

Im Gegensatz zu scheinbar vielen anderen Menschen, habe ich bei dieser Hitze überhaupt keine Energie. Selbst meine geliebten Wanderungen werden zur Qual, weil ich immer erst mindestens zwei bis drei Kilometer gehen muss, ehe ich oben im Wald und somit im wohltuenden Schatten bin. Selbst kleinste Aufgaben werden für mich bei dieser Hitze zur Hürde. Oft kann ich mich dann kaum noch bewegen, möchte nur noch in meiner Wohnung sein. Ich warte quasi darauf, dass das Wetter wieder etwas dunkler und kühler wird.

Die Sonne strapaziert meine Nerven. Wenn ich zu lange draußen bin, so mein Gefühl, wird es auch in meinem Inneren immer wärmer. Ich spüre den Overload und oft sogar einen nahenden Meltdown, weil die Hitze sich in mir staut und immer mehr Raum ausfüllt. Wenn ich dann nach Hause komme, schmeiße ich meine Sachen erstmal ungehalten in eine Ecke und brauche meine Ruhe. Oft suche ich mir draußen einen Schattenplatz oder trage meinen Sonnenhut, aber auch diese Mittel sind oft nur kurzfristig eine Hilfe.

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